epizentrum

Ralf Steinkopff

FAP. Und ACL.

Neu zu schreiben:
Was ist FAP?

Die Funktional-Analytische Psychotherapie (FAP) gehört wie ACT

Awareness, Courage and Love

Der Grundgedanke, der mich dabei leitet, ist der von einer komplexen, inkongruenten Welt, die auch Gegensätze und Widersprüche reichlich enthält, in der Menschen mit vielen Überzeugungen, Wünschen, Zielen, Gefühlen und Gedanken, die sich oft genug auch im Widerstreit zueinander liegen, sich in einem Beziehungsgeflecht mit anderen mit komplexen, teils sich ausschließenden Regeln, Erwartungen, Wünschen und Zielen bewegen.

Die Vorstellung, eine einzige Theorie über den Menschen und dessen Veränderbarkeit könnte all das umfassend und widerspruchsfrei erklären und handhabbar machen, scheint mir zum Scheitern verurteilt. Manchmal gibt es sogar Theorien, die auf einer einzigen Idee basieren, über die dann oft genug alles geschert werden soll.

Hilfreich ist hier der Blick auf die Metapherntheorie. Wir können ja jede Theorie selbst als Metapher für die Welt und das menschliche Miteinander begreifen. Die Metapherntheorie (nach Lakoff und Johnson) besagt, dass eine Metapher Aspekte aus einem Bereich (die sogenannte Zieldomäne, hier also die komplexe Welt und der Mensch in seinem sozialen Kontext) mit Bildern aus einem andern Bereich (die sogenannte Quelldomäne, hier also die jeweilige Theorie oder Idee) beschrieben wird. Bsp. Liebe ist wie ein Krieg (Ich habe sie lange belagert, bevor ich sie erobert habe, ich habe sie im Sturm genommen, sie hat nicht lange Widerstand geleistet, ich habe lange um sie gekämpft, etc.) versus Liebe ist wie ein gemeinsamer Weg (wir waren an einem ähnlichen Punkt, und haben dann gemeinsam viel erlebt, wir sind weit gekommen, unsere Wege haben sich auch einmal getrennt, aber wir haben wieder zueinander gefunden, wir haben noch ferne Ziele, die wir erreichen wollen, wenn wir zurückschauen, haben wir schon viel hinter uns gebracht, ich bin bei ihr endlich angekommen, wir haben noch viel vor uns etc.)

Die Metapherntheorie besagt nun, dass Metaphern Bilder sind, die mehr transportieren als nur eine reine Beschreibung (sie analog sind und einen Mehrwert gegenüber der digitalen Sprache besitzen durch die Gleichzeitigkeit von Assoziationen gegenüber der zeitlichen Abfolge von Sprache). Jede Metapher erhellt bestimmte Zusammenhänge (die die sich in Übereinstimmung von Quell- und Zieldomäne befinden) und verdunkelt andere (die die sich dort im Gegensatz befinden).

Und nach der Metapherntheorie – jetzt wird es spannend für unseren Kontext – es braucht immer mehrere, zueinander inkonsistente metaphorische Perspektiven, um einen Gegenstand umfassend beschreiben zu können (im Beispiel kann ich Liebe umfassend nur erklären, wenn ich verschiedene, sich widersprechende metaphorische Konzepte nutze: Liebe ist wie ein gemeinsamer Weg und ist wie Krieg und ist wie ein chemischer Prozess und ist wie ein Wunder und ist wie Arbeit etc.)

Der Streit um die richtige Theorie (die richtige metaphorische Perspektive) ist also von vorn herein reduktionistisch und kann dem Menschen in seiner Umwelt nicht gerecht werden. Es lohnt vielmehr eine Auseinandersetzung, die die Gegensätze zu integrieren sucht und Inkongruenzen aushält. Es gibt so viele spannende, kreative und effektive Ansätze außerhalb und vor allem auch innerhalb der Energetischen Psychologie, dass wir so viel voneinander lernen können.

Durch den Austausch können sich die jeweiligen Ansätze korrigieren, erweitern und immer umfassender werden. Es gibt jedoch auch ein Abgrenzungsproblem, da ansonsten jede noch so abstruse Idee gleichrangig zu betrachten wäre. Gerade durch die energetische Metapher werden sehr viele Ideen assoziiert, die wunderhaft, spekulativ und wissenschaftlich betrachtet vollkommener Unsinn sind. Mit anderen Worten, die Ränder fransen aus. Das hat manche dazu geführt, auf den Energiebegriff vollkommen zu verzichten, wie Joachin Andrade oder Steve Reed mit seinem
Quick REMAP.


Meine persönliche Haltung

Ich versuche die Schere zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und beschriebenen und erlebten Phänomenen nicht allzu weit aufgehen zu lassen. Ich nutze möglichst parallel das neurologische und das energetische Paradigma, um Klienten und Workshopteilnehmern zu erklären, warum was wirkt.

Häufig wirken energetische Interventionen wundersam, wenn in einer einzelnen Sitzung tiefgreifende Probleme gelöst werden, die vielleicht schon Jahrzehnte verschiedensten Lösungsversuchen widerstanden haben. Mich beruhigt (als Psychotherapeut, Coach und Supervisor, der viele, mehrjährige Aus- und Weiterbildungen gemacht hat), dass es oft genug auch Prozesse gibt, die dagegen wirklich Zeit und viele Interventionen brauchen, um zum Ziel zu führen, also auch wieder in „normale“ therapeutische oder beraterische Prozesse münden, in denen die Beziehung zum Klienten, das Vertrauensverhältnis, das gemeinsame Beobachten und Wahrnehmen von Veränderungen etc. eine zentrale Rolle spielen.

Energetische Methoden sind schlichtweg besonders effektiv, sie sind aber vor allem natürlich und lassen sich bis zu einem bestimmten Punkt gut erklären. Die wissenschaftliche Untersuchung ist hier noch nicht sehr weit gekommen. Häufig können wir Phänomene eher beschreiben als erklären. Auch das ist ein äußerst fruchtbares Feld, was uns wohl noch viele überraschende Erkenntnisse bereiten wird. Ich finde es jedenfalls notwendig und ethisch geboten, mich permanent auf den neuesten Stand (wissenschaftlicher Forschung wie weiterer Erfahrungen und Ideen von Kollegen) zu bringen und neue Erkenntnisse zu integrieren.

Ich werde dagegen immer sehr skeptisch, wenn ein Kollege Wissen behauptet, dass er aus meiner Sicht gar nicht haben kann. Ich schätze eine Offenheit gegenüber Spiritualität. Vermutlich gibt es Phänomene, die wir nie letztendlich wissenschaftlich erklären können. Trotzdem ist es lohnend, sich der Spannung zwischen wissenschaftlicher Erklärungsversuche und spirituellen Erfahrungen auszusetzen. Ich halte es für Vermeidung dieser Spannung, wenn stattdessen eine Behauptung steht. Ich weiß nicht, was die Seele jenseits unseres Körpers ist, was nach dem Tod passiert, was es jenseits unserer sinnlich erfahrbaren Welt gibt. Ich akzeptiere es gern und finde es oft sehr spannend, wenn Menschen mir von ihrem Glauben erzählen. Glauben ist eine wunderbare Ressource und Fähigkeit des Menschen. Nur sollte man das als persönlichen Glauben beschreiben, und nicht als Wissen behaupten.

Entscheidend sind letztendlich die Haltung des Klienten, seine Neugierde und Experimentierfreude, sein Vertrauen und auch seine Erfahrungen und Überzeugungen. Ich will und kann niemanden missionieren. Die Er-Lebenswelt des Klienten ist viel zu spannend, passend und vielfältig, um sie von meinen Vorstellungen überschreiben zu lassen. Ich gehe viel mehr mit den Vorstellungen und Überzeugungen mit und arbeite innerhalb dieser inneren Welt des Klienten.